„Wer nicht bereit ist, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, läuft Gefahr, sie zu wiederholen“

„Wer nicht bereit ist, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, läuft Gefahr, sie zu wiederholen“, so sagte es der Landtagsabgeordnete Hermann Katzenstein in seinem Grußwort auf der Gedenkveranstaltung auf dem Marktplatz anlässlich des Jahrestags der Deportation jüdischer Mitbürger am 22. und 23. Oktober 1940. Und damit nähme er auch Bezug zu aktuellen Tendenzen, die diese Naziverbrechen verharmlosen wollen.

„Diese Erinnerung ist aber von besonderer Bedeutung“, so Katzenstein, der das Engagement der Schülerinnen und Schüler in der Projektgruppe „Judentum im Kraichgau“ der Realschule als außerordentlich bewertete.
„Respekt und Danke dafür!“ Die Projektgruppe hatte traditionell unter der Leitung von Marion Guttman und in Zusammenarbeit mit dem Verein „Jüdisches Kulturerbe im Kraichgau e.V.“ zum Gedenken an die über 6500 Juden eingeladen.

Über 50 Gäste hörten aufmerksam zu, als die jungen Schüler über die Zustände im Internierungslager Gurs in Südfrankreich berichteten, in dem vor 77 Jahren für viele Opfer das Grauen begann. Innerhalb nur weniger Stunden sollten die südwestdeutschen Gebiete „judenfrei“ sein, so das Ziel der sogenannten Wagner-Bürckel-Aktion, die ausgerechnet am letzten Tag des eigentlich fröhlichen jüdischen Laubhüttenfestes über die jüdische Bevölkerung hereinbrach. Die Habseligkeiten mussten schnell gepackt werden, einen Abschied gab es nicht an diesem Dienstagmorgen. Auch aus Waibstadt kamen Opfer dieser unmenschlichen Aktion, die unter den Augen der Öffentlichkeit stattfand.

Die Kurzbiografien von Klara Glück, Bertha Glück, Paula Glück, Aron Kahn, Elsa Kahn und Hilda Kahn wurden von den Schülern vorgetragen. Auf Stelltafeln konnte man sich zusätzlich diese dunkle Geschichte mit historische Aufnahmen und andere Dokumenten dieser schrecklichen Zeit in Erinnerung rufen. Jonas Rühle, evangelischer Pfarrer, sprach von einer „moralischen Katastrophe für die gesamte Christenheit“ und stellte die berechtigte Frage, warum auch die Kirche nichts unternommen habe gegen diese Gräuel des Nazi-Regimes. Mit dem „Kaddisch der Trauernden“, vorgetragen von Martina Sigmann, und den entzündeten Kerzen für die jüdischen Opfer, endet die Zeremonie vor dem Mahnmal. Das „Zwillings –Mahnmal“ befindet sich seit 2010 in Neckarzimmern, wo die sich jährlich um mehrere Mahnmale wachsende Gedenkstätte an dieses Ereignis erinnert. Musikalisch umrahmte die Klezmer-Band „Tacheles“ die Veranstaltung, die in diesem Jahr besonders viel Zuspruch erhalten hat. „Es ist schön zu sehen, dass dieses gemeinsame Gedenken stattfindet und dass auch die Erinnerungsarbeit der Schüler somit Anerkennung findet“, so Siegfried Bastl, der 1999 die Projektgruppe in der Realschule ins Leben rief.